14. Januar 2008
Bewegende Minuten im Cochlear-Implant-Centrum Rhein-Main. Zum ersten Mal nach Milenas CI-Operation am 6. Dezember des vergangenen Jahres werden Elektroden und Empfängerspule, die implantierten Teile des Systems, mit den äußeren Geräteteilen verbunden. Das Mikrofon wird hinter das Ohr geklemmt, die Sendespule haftet an einem Magneten, der mit der Empfängerspule unter die Haut hinter dem Ohr implantiert wurde. Den Sound- oder Sprachprozessor trägt Milena in einer kleinen Tasche auf dem Rücken. Nun wird er zum ersten Mal eingeschaltet. Der Sprachprozessor ist mit einem Computer verbunden, über den die Einstellung jeder einzelnen der 22 Elektroden vorgenommen werden kann.
Milena soll einen bunten Holzring auf den Stab einer Ringpyramide stecken, sobald sie etwas hört. Als sie bei einer Lautstärke von 50 dB den 1 kHz-Ton wahrnehmen kann, vergisst Milena ihre Aufgabe und berichtet jubelnd von ihrem Hörerlebnis. Zu Tränen gerührt verfolgen Elena Brach, Audiologin Yvonne Havers, Hörtherapeutin Elke Schwaninger und Pia Kiss vom Steinfurter Verein Murmansk e. V., wie Milena Ton für Ton von ihren neuen Höreindrücken Besitz ergreift. Behutsam werden jetzt alle Frequenzen mit ganz geringer Verstärkung freigeschaltet. Klopfen, Klatschen, Rasseln, Kratzen... das alles nimmt Milena wahr. Elena Brach ruft: „M i l e n a !” Mit einem strahlenden Lächeln dreht sich Milena zu ihrer Mutter um, wiederholt in höchstem Falsett „Mi--e--na“ und deutet auf sich. „Das ist der schönste Tag in meinem Leben“, murmelt Elena Brach in ihr Taschentuch.
Es folgen vier Tage im CIC Rhein-Main, an denen sich Hörtests und erneute Feineinstellung des CI mit Therapiestunden, Konsultationen, Musik-, Rhythmik- und Sportstunden abwechseln, die alle einem Ziel dienen: die auditive Wahrnehmung zu schulen und die neu gewonnenen Höreindrücke zu differenzieren, zuzuordnen, mit Inhalt zu füllen.
Die Basistherapie, bestehend aus Anpassung, Therapie und Beratung, soll in den nächsten drei Jahren im Abstand von drei bis vier Monaten fortgesetzt werden. Dazu wird Milena mit ihrer Mutter immer von Murmansk nach St. Petersburg reisen müssen, 28 Stunden mit der Bahn oder zwei Stunden mit dem Flugzeug – wenn das Geld reicht.
Der Verein „Murmansk e. V.“ freut sich über weitere Spenden dafür.